Wie die Lemminge

Nach langer Abstinenz von organisierten BDSM-Veranstaltungen verschlug es uns am Wochenende auf eine CFNM-Party. Mir gefiel das Konzept der Party und wir hofften an diesem Abend viele Gleichgesinnte zu treffen, gute Gespräche zu führen und natürlich auch unseren Neigungen nachzukommen.

CFNM steht für Clothed Female Nacked Male, also kurz gesagt: Während sich die Damen an diesem Abend in ihren schillernden, aufreizenden und atemberaubenden Outfits amüsieren, sind die Männer nackt und stehen den Frauen als Diener und Untergebene zur Verfügung.

Fotolia_2754399_S_copyright - KopieZur Veranstaltung gehörte auch eine Sklavenversteigerung, bei der die anwesenden Damen andere Sklaven ersteigern konnten. Damit die Sklaven in der großen Runde vorgestellt werden konnten, verteilten die Veranstalter Fragebögen, auf denen die Sklaven ihre besonderen Vorzüge und natürlich auch Tabus notieren konnten. Soweit – so gut! In einem großen Raum sollte die Versteigerung stattfinden und die ersten Personen hatten sich bereits einen Sitzplatz gesucht. Ab diesem Moment begann bei mir das Unverständnis. Auf den Stühlen hatten es sich nicht nur die Damen bequem gemacht, sondern auch die besseren Hälften. Nun saßen dort die Sklaven, die sich nicht versteigern lassen wollten, nackt und lässig, tranken ihr Bierchen. Ich fühlte mich in diesem Moment hundselend. Es ist der Moment gewesen, in dem meine schöne BDSM-Welt mir nicht mehr den Atem raubte. Ich fühlte mich regelrecht fehl am Platz und machte die Veranstalter darauf aufmerksam, dass es nicht in Ordnung ist, wenn Herren sich auf die Stühle setzen obwohl die Rollenverteilung an diesem Abend klar ist und einige Damen stehen mussten. Für meinen Vorschlag erntete ich nicht nur zustimmende Blicke… Die Sklavenversteigerung war für mich nichts anderes als eine Vorlesestunde. Die überwiegende Anzahl der Sklaven hatte die Fragebögen dazu genutzt, eine Wunschliste aufzuschreiben. Anstatt die eigenen Vorzüge anzupreisen, hatten die Sklaven ihre Vorlieben notiert. Und das sind für mich zwei paar Schuhe.

Was ist nur los mit den Männern? Ich frage mich ernsthaft, warum ich in Foren immer wieder lesen muss, dass es so wenig dominante Damen gibt. Ich stelle mir da eher die Frage: Wo sind die devoten Gentlemen? Wo sind die Männer, die wissen, wie sie sich einer Dame gegenüber zu verhalten haben? Es geht hier um grundlegende Verhaltensregeln in einer Beziehung von FemDom und ihrem Sub.

Letztendlich entscheiden die Party-Teilnehmer, wie eine solche Party abläuft. Sind also überwiegend Paare anwesend, die CFNM, BDSM und dieses ganze Zeug als Erweiterung in ihrem sexuellen Leben sehen, dann ist es nicht meine Party! Ich lebe mit meinem Sub in einer Beziehung, die durch ein spür- und erlebbares Machtgefälle gekennzeichnet ist. Dann auf einer solche deklarierten Party zu sehen, dass es Männer gibt, die es nicht nötig haben, einer Dame die Tür aufzuhalten, finde ich erschreckend und hat zunächst auch nichts mit Devotion und Demut sondern Höflichkeit zu tun! Rückblickend bin ich total glücklich über den Verlauf der Party. Uns (mir und meinem Sklaven) ist bewusst geworden, wie wert- und gehaltvoll unsere Beziehung ist. Wie tief unser Lebensstil greift und wie sättigend und erfüllend dieser Zustand trotz aller Probleme und Schwierigkeiten ist.

Beim Spielen (ich nenne es bewusst Spielen) auf einer Party verhalte ich mich anders als im privaten Kämmerlein. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen und Neigungen der Anwesenden. Nun hatte ich das Glück an diesem Abend ein „Übungsobjekt“ zu finden. Einen devot masochistischen Mann, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er bereits Erfahrungen gemacht hatte und sich seiner Rolle, seinem Dasein sehr sicher war. Sein Blick veriet mir, dass seine Neigung nicht angelesen ist, dass er sich nicht auf dieser Party rumtreibt, weil es für ihn eine sexuelle Erweiterung ist. Also, spielte ich mit ihm, in einem seperaten Raum. Als die Schläge intensiver und lauter wurden, bemerkte ich aus den Augenwinkeln heraus eine Schlange. Eine Schlange von sieben männlichen Partygästen, die nun wie die Lemminge den Raum betraten, um zuzuschauen. Mein Ehesklave hätte mich um Erlaubnis gefragt, bevor er sich auf einer Party in einen Raum schleicht, in dem Schläge zu hören sind. Er hätte es sich nicht erlaubt, er hätte es sogar als unangemessen empfunden, sich in eine solche Reihe einzureihen. Ich selbst beobachte gerne auf solchen Veranstaltungen die anderen Gäste, erfreue mich daran, wie sie leiden oder vor Schadenfreude jauchzen, schaue mir neue oder alte Techniken an, genieße es, wenn sich Paare zur schau stellen – aber ich komme nicht auf die Idee, das Spiel von zwei Menschen zu stören.

Und das Resultat dieser Veransatltung: Wir haben uns direkt für die nächste Party (von einem anderen Veranstalter in einer anderen Stadt angemeldet), um zu sehen, ob die Partywelt wirklich nur noch aus sexuell offenen und neugierigen Switcher- und Swinger-Päarchen besteht oder ob wir doch noch ein anderes Paar treffen, dass das Lebensmodell von einer weiblich geführten Beziehung liebt und tatsächlich lebt.

Isabel

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